Philosophie

Landwirtschaft und Industrie: zwei polare Ströme müssen sich ergänzen

Die gesamte heutige moderne Kultur beruht auf einer rasanten industriellen Entwicklung, die in den letzten 250 Jahren vor allem in den nördlichen Ländern der Erde stattgefunden hat. Der Verbrauch an Energie als Motor dieser Entwicklung ist in diesen Teilen der Welt dementsprechend hoch. Andere bevölkerungsreiche Länder, die sogenannten Schwellenländer wie Brasilien, China, Indien usw., sind dabei, zu modernisieren und rüsten dementsprechend industriell auf. Es kann nicht anders sein, als dass die herkömmlichen fossilen Energieträger in absehbarer Zukunft an ihr Ende kommen und zudem die Erdatmosphäre über ihre Klimaverträglichkeitsgrenze hinaus strapaziert wird.

Das Gebot der Stunde ist, dass wir in erster Linie konsequent bewusst und sparsam mit Energie umgehen. Dabei kommen wir nicht daran vorbei, alternative resp. erneuerbare Energiequellen zu erschließen. Obschon die Endlichkeit der fossilen Energievorräte bereits zu Beginn der 70er-Jahre, als die OPEC-Länder den Export von Erdöl drosselten, breiten Bevölkerungsschichten bewusst wurde, musste erst eine Atomkatastrophe wie die von Tschernobyl 1986 die Menschheit aufrütteln, um zum Handeln zu kommen. Die Gewinnung von erneuerbarer Energie aus Sonne, Wind, Biomasse und Erdwärme wurde ab diesem Punkt der Geschichte zum Thema. Eine rasante technische Entwicklung in diesem Sektor fand statt, und dies trotz vielseitiger Widerstände vor allem der bisheriger Stromproduzenten, die als monopolisierte Konzerne ein Heidengeld mit ihren monströsen und gefährlichen Anlagen verdienten. Hinzu kam, dass 2007 der von den Vereinten Nationen in Auftrag gegebene IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change)-Bericht feststellte, dass ein Großteil der aktuell feststellbaren Erderwärmung durch die Anreicherung von Treibhausgasen, unter anderem durch die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle und Erdöl, geschieht. Trotz alledem brauchte es dann noch eine weitere Atomkatastrophe in Fukushima, bis einige Regierungen, vor allem in Europa, politisch das Zeitalter der Erneuerbaren Energien einläuteten. Auf der UN-Klimakonferenz in Paris im November 2015 (COP 21) wurde in diesem Sinne erstmals das Ziel formuliert, bis Ende dieses Jahrhunderts weltweit vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt zu haben.

In diesem Zusammenhang gilt es sich bewusst zu machen, dass die Landwirtschaft unter allen gesellschaftlichen Lebensbereichen der einzige ist, in dem Produkte pflanzlicher oder tierischer Art immer wieder im Jahresrhythmus neu erzeugt werden. Dies geschieht durch geschicktes Ausnutzen natürlicher Prozesse zwischen der Sonne – mit Licht und Energie – und den irdischen Komponenten Boden, Wasser, Luft und Wärme. Ein „Recycling“ landwirtschaftlicher Abfälle ist deshalb – im Gegensatz zum Stoffkreislauf aller anderen Produkte – ohne jede Negativwirkung möglich. Ihre Wiederverwertung, z.B. als organischer Dünger, ist sogar notwendig. Dieser natürliche Kreislauf mit seinen naturgegebenen Aufbauprozessen war früher die allgemeine Basis jeglicher Landwirtschaft, dieses Verhältnis ist aber heute durch die Industrialisierung der Landwirtschaft stark belastet und gilt fast nur noch im so genannten Ökolandbau (allgemeiner gesprochen, in der Bio-Landwirtschaft).

Die handwerkliche oder industrielle Verarbeitung der so gewonnenen Produkte zur Aufbereitung für die menschliche Ernährung ist im Gegensatz dazu immer schon ein Abbau. Dasselbe gilt für jede Industrie, bei der Rohstoffe abgebaut und anschließend zu einfachen oder aber hochkomplexen Produkten zusammengefügt werden. Zudem geschieht dies in aller Regel mit einem hohen Verbrauch an Energie. Diese „Veredelungsprozesse“ gehen also ihrerseits, falls dabei keine erneuerbaren Energien eingesetzt werden, mit weiteren Abbauprozessen (von fossilen Energieträgern) einher. Die so hergestellten Güter sind zudem allzu oft nur schwer zu recyceln.

Dieser Gegensatz wird heute allzu oft leider nicht mehr im richtigen Kontext gesehen. Nach heutigen Maßstäben rein wirtschaftlich gesehen, erbringt die Landwirtschaft in unserer vermeintlich so hoch entwickelten Zivilisation nur noch 0,2 – 0,5% des Bruttoinlandsproduktes BIP – eine gegenüber den anderen Wirtschaftsbereichen wie Handwerk und Industrie, Dienstleistungs- und Finanzsektor scheinbar vernachlässigbare Größe. Andererseits ist die Landwirtschaft der Bereich, von dem alle Menschen physisch mit Nahrung versorgt werden, ohne die also niemand leben kann.

Es gibt also eine Diskrepanz zwischen industrieller und landwirtschaftlicher Wertschöpfung. Die in der Landwirtschaft geschaffenen aufbauenden Werte in Form von Lebensmitteln und sich regenerierenden Böden (der Bio-Landwirtschaft) stehen in keinem monetären Verhältnis mehr zu denjenigen Werten, die in den industriell und dienstleistungsorientierten Gesellschaft verbraucht werden. Eine Konsequenz davon ist, dass die Landwirtschaft immer mehr am Tropf der staatlichen Subventionen hängt und gleichzeitig gezwungen ist, arbeitssparende, aber ressourcenschädigende Methoden industrieller Herkunft anzuwenden.

Aus diesem Kontext heraus ist es eine gesunde Symbiose, wenn eine Landwirtschaft, die biologische Lebensmittel produziert, sich zugleich mit der Gewinnung von erneuerbarer Energie auseinandersetzt. Diese Technik ist durchaus ein Ergebnis einer fortschrittlichen, modernen Industriekultur, wie übrigens moderne Maschinen auf dem Bauernhof es ja auch sind. Es war von Anfang an ein Anliegen der Hëpperdanger Wandenergie sàrl, moderne Bio-Agrikultur mit moderner Technik, wenn sie sich denn nicht gegen die Lebensverhältnisse richtet, zu verbinden. Aus der ökologischen Landwirtschaft kommend, versucht sie eine Brücke zu schlagen zu einer industriellen Produktion, die ihrerseits die Energiegewinnung im Sinne der Nachhaltigkeit optimiert. Inwiefern im Nachhinein über diese Unternehmung wirtschaftliche Kompensationen in Richtung Landwirtschaft möglich sein können, wird sich noch herausstellen. Ziel ist es allemal. Die vor einigen Jahren eingegangene Kooperation mit der OIKIKOPOLIS-Gruppe ist aus dieser Perspektive heraus zustande gekommen.